Quit (Chat) GPT?

#QuitGPT . Boykottiert ChatGPT. Nutzt lieber eine ethische Alternative. Stimmt das?

Diese Forderung taucht gerade immer häufiger auf und der Impuls dahinter ist verständlich. Wenn große (US Big) Tech Firmen immer mehr Macht konzentrieren, wirkt ein Boykott wie eine logische Reaktion. Viele gesellschaftliche Veränderungen haben genau so begonnen, trotzdem bleibt bei der aktuellen Debatte über #KI die unbequeme Frage im Raum. Was verändert sich eigentlich wirklich, wenn man nur den Chatbot wechselt.

Inspiriert durch die Artikel von Aya Jaff und Stefanie Weidner komme ich zu folgenden Überlegungen.

Die wirtschaftliche Realität der großen KI Firmen sieht anders aus, als viele vermuten. Ihre Bewertungen entstehen kaum durch monatliche Abos von Nutzer*innen. Das große Geld kommt aus staatlichen Aufträgen, riesigen Investitionen, Cloud Infrastruktur und geopolitischen Erwartungen rund um zukünftige KI Systeme. Wer sein Abo kündigt, setzt damit (viellcuht) ein politisches Zeichen, die grundlegenden Machtstrukturen dieser Branche bleiben davon jedoch weitgehend unberührt.

Auch die Frage nach der angeblich ethischen Alternative verdient einen genaueren Blick. Ein Wechsel zu einem anderen KI Anbieter wirkt auf den ersten Blick wie eine klare Entscheidung. Stefanie moniert zurecht: „Gehen wir nur von einer Pentagon KI, zur nächsten?“. In der Praxis läuft ein Großteil dieser Systeme sogar auf derselben Infrastruktur, nutzt ähnliche Datenmodelle und bewegt sich in vergleichbaren politischen und wirtschaftlichen Netzwerken.

Deshalb lohnt sich ein Schritt zurück. Die aktuelle Debatte kreist stark um individuelle Entscheidungen im Alltag, dabei geht es im Kern um etwas viel Größeres. Es geht um Kontrolle über digitale Infrastruktur, um Rechenzentren, um Trainingsdaten und um die Frage, wer Regeln für diese Systeme festlegt.

Genau an diesem Punkt setzen viele EU Vorschläge an. Diskutiert werden öffentliche Recheninfrastruktur, klare Regeln für Trainings, unabhängige Aufsicht und eine stärkere digitale (EU) Souveränität. Konzepte wie EuroStack versuchen, eine solche Infrastruktur in Europa aufzubauen und damit mehr demokratische Kontrolle über zentrale Technologien zu schaffen.

Für mich führt diese Diskussion zu einer praktischen Frage. Was bedeutet das für den eigenen Umgang mit KI.

Wichtig ist es, offene und EU Alternativen zu stärken, gleichzeitig braucht es politischen Druck für Regeln, Transparenz & demokratische Kontrolle über digitale Infrastruktur. Die entscheidende Frage lautet letztlich, wem diese Technologie gehört und wer über ihre Entwicklung entscheidet.

Denn KI entwickelt sich gerade von einem digitalen Werkzeug zu einem Teil unserer grundlegenden Infrastruktur. Und bei Infrastruktur geht es am Ende immer auch um Macht.

Tauschen wir das eine Übel gegen das andere aus und bringen dabei echte Veränderung hervor?

KI würde nun fragen: Was meinst Du?

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