CO₂ Rechner, Scam der Öl-Industrie?

Der CO₂ (Fußabdruck) Rechner wirkt wie ein starkes Werkzeug für Klimaschutz. Seine Geschichte ist aber auch ein mieses Lehrstück über gutes Marketing. Aber vorn Vorn!

2005 brachte BP einen Rechner auf die eigene Website, mit dem Menschen ihren persönlichen CO₂ Fußabdruck berechnen konnten. Die Kampagne dazu entwickelte Ogilvy & Mather. Hunderttausende Menschen nutzten das Angebot. BP selbst berichtete später von einer deutlich verbesserten Wahrnehmung ihrer Marke.

Damit veränderte sich auch die Perspektive auf die Klimakrise. 🌳

Plötzlich standen Auto fahren, Flugreisen, Öl- & Gas-Heizung und Ernährung einzelner Menschen im Mittelpunkt. Die Verantwortung großer Produzenten fossiler Energien rückte leichter aus dem Blickfeld, der die sie wirklich erzeugen.

Genau deshalb gilt der persönliche CO₂ Fußabdruck heute als einer der bemerkenswertesten Marketing Coups der fossilen Industrie.

“This is one of the most successful, deceptive PR campaigns maybe ever,” said Benjamin Franta, who researches law and history of science as a J.D.-Ph.D. student at Stanford Law School.*

Der Rechner selbst ist trotzdem sinnvoll, er zeigt, wo persönliche Deine Emissionen entstehen und wo Veränderungen möglich sind.

Problematisch wird es, wenn Klimaschutz dabei zur individuellen Rechenaufgabe wird. Viele große Emissionsquellen hängen von Energieversorgung, Verkehrssystemen, Infrastruktur, Unternehmen und politischen Regeln ab. Darauf haben wir oft keinen Einfluss.

Beim nächsten CO₂ Rechner lohnt sich deshalb noch eine zweite Frage: Wer könnte eigentlich dafür sorgen, dass ich diese Emissionen gar nicht erst verursachen muss?

Eine Alternative bietet der aktuelle Rechner des Umweltbundesamt. 💚

*Quelle: The Carbon Footprint Sham by Mark Kaufman / mashable, Wikipedia: CO2-Bilanz

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